Am Samstag, dem 29.05.2010 war das 32. Wichlinghauser Stadtteilfest, organisiert vom Nordstädter Bürgerverein (NBV) geplant. Es hätte ein schönes Fest werden können…
Am Vormittag strahlte die Sonne und die Westdeutsche Zeitung (WZ) hatte mit der Ankündigung „Das Wichlinghauser Straßenfest, veranstaltet vom Nordstädter Bürgerverein Barmen, lockt […] Nachbarn und Freunde des Quartiers auf die Festmeile […] treffen sich wieder Aktive aus Bürgerverein, Einzelhandel, Kirchen, Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen zum großen Tag auf der Straße und feiern die 32. Auflage des Fests. Im Angebot sind neben zahlreichen Flohmarktständen kulinarische Spezialitäten von Wichlinghausern unterschiedlichster Herkunftsländer […]“ Interesse und Neugier geweckt.
Und so waren sie dann auch alle da: der Stadtteilservice, welcher aus 1,-€-Job-Sklaven besteht, wurde dazu abkommandiert, auf dem Fest herumzulatschen. Vertreter der Partei Bündnis 90/Die Grünen liefen mit grell-grünen T-Shirts samt Namensschildchen herum und zwei Polizisten patrouillierten auf dem Marktplatz mit ihrer Ausgehuniform.
WZ dazu (30.05.10) :„Es ist eine familiäre Atmosphäre, die das Fest ausmacht. „Nachbarn, Freunde und Bekannte treffen sich einfach und haben genug Zeit, sich auszutauschen. Das ist Tradition“, sagt Dieter Mahler, Vorsitzender des Nordstädter Bürgervereins Barmen. Es sei der „Multi-Kulti-Charakter des Stadtteils, den die Veranstalter auch auf dem Fest lebendig lassen wollen. Das gefällt.“ (Grammatikfehler im Original)
Gut, kommen wir nun also zu den „Freunden“ und damit zur Realität: Stadt(-teil)bekannte Neonazis waren dort ebenso mit Flohmarktständen vertreten wie der den rassistischen und antisemitischen Grauen Wölfen nahe stehende Verein ATIB (Union der türkisch-islamischen Kulturvereine in Europa e.V.), welcher dort den größten Imbissstand aufgebaut hatte. Offen trug man das Vereinswappen auf der Brust und am Stand wurde eine große Flagge der islamisch-nationalistischen Organisation angebracht. Abgesehen davon, daß dies weder die Polizei (obwohl sogar der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz schon Abhandlungen über ATIB abgefasst hat) noch die sich volksnah gebenden Grünen (die doch als links-alternative eigentlich Bescheid wissen sollten) noch sonst wen interessierte, war dies jedoch nicht weiter von Belang. Schließlich besteht der herbeigeredete „Multi-Kulti-Charakter des Stadtteils darin, daß es niemanden interessiert, daß Neonazis das Stadtteilbild bestimmen (und nicht nur auf dem Markt während der Öffnungszeiten des Discounters den Ton angeben), während Migranten keineswegs ein integrierter und akzeptierter Teil Wichlinghausens sind. Praktisch wirkte sich das dann auch so aus, daß man feierte wie man lebt: nebeneinander her. Man mied sich und gluckste sich in sein Eckchen. Die ur-deutschen trafen sich am Wurst- oder Bierstand, während sich am ATIB-Stand deren Anhängerschaft aufhielt. Zwecks Demonstration des guten Willens ging man natürlich mal kurz einen leckeren Fleischspieß „beim Türken“ essen, bevor man für den Rest des Feiertages wieder am Bierzelt verschwand, wo man „unter sich“ war. Mit diesem Beweis der gelungenen Integration und dem tollen multi-kulturellen Charakter ist man sich dann in Wichlinghausen auch sicher, daß das bis zum nächsten Stadtteilfest reicht mit der Integration und dem kuscheligen Zusammensein…
Infos über ATIB und die Grauen Wölfe: http://jungle-world.com/artikel/2007/45/20642.html
Fotos der WZ: http://www.wz-newsline.de/?redid=207213&gal=8350&galP=267502
Artikel der WZ vom 30.05.10: http://www.wz-newsline.de/?redid=845137
Originaltext: http://dankward.blogsport.de/ |